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Bierschule · Mild & Rund

Lager & Pils

Lager ist die Familie der untergärigen Biere, die nach der Gärung kalt reifen; Pils ist ein Stil davon. Lagerbiere schmecken in der Regel weich und sauber, ohne die fruchtigen Hefenoten, die Ales haben können.

  • AlkoholPils und Helles meist 4,2–5,8 %; Baltic Porter 6,5–9,5 %
  • EinstiegLeicht zum Anfangen

So schmeckt es meistens

Bitter
Süß
Sauer
Geröstet
Fruchtig
Vollmundig

Durchschnitt für diesen Stil; jedes Bier hat seinen eigenen Akzent.

Was ist das?

Lager wird mit untergäriger Hefe vergoren, Ale mit obergäriger. Lagerhefe (Saccharomyces pastorianus) ist eine eigene Art: eine Kreuzung aus Alehefe und einer kälteresistenten Wildhefe. Untergärige Hefe sinkt zu Boden, obergärige steigt nach oben. Nach der Hauptgärung reift Lager kalt und gärt langsam nach. Der Name leitet sich von „lagern“ ab: einlagern oder aufbewahren.

Pils ist ein bestimmter Lagerstil: hell, bitter und deutlich hopfig. Auch Pils ist nicht eine einzige Sache: - Deutsches Pils: erst Malz, dann schnell Hopfengeschmack und Bittere (blumig, würzig), mit trockenem, frischem Abgang. - Tschechisches Pils: reicheres, brotiges Malz und eine kräftige, aber weiche Bittere, mit mehr Farbe und Körper als deutsches Pils. - Internationale Lagers, die großen Markenbiere: stark vergoren, ohne ausgeprägte Aromen und mit viel Kohlensäure. Laut BJCP werden sie oft verwirrend „Pilsner“ genannt.

Daneben gibt es viele andere Lagers: das weich malzige Münchner Helles, das bernsteinfarbene Märzen und das Wiener Lager, das braune Münchner Dunkel, das dunkle Schwarzbier, den starken deutschen Bock und meist auch Baltic Porter.

Mythos oder Fakt?

Mythos

‘Lager und Pils sind dasselbe.’

Lager ist die Familie der untergärigen Biere; Pils ist ein Stil davon. Auch Helles, Märzen, Dunkel, Schwarzbier, deutscher Bock und meist Baltic Porter sind Lagers.

Mythos

‘Lager und Pils sind dasselbe.’

„Lager“ sagt etwas über die Hefe und die Art der Reifung aus: untergärige Hefe und kalte Lagerung. „Pils“ ist ein bestimmter Stil innerhalb dieser Familie: hell und mit deutlicher Hopfenbittere.

Das BJCP unterscheidet zahlreiche europäische Lagerstile, vom Münchner Helles und Märzen über das Wiener Lager, Münchner Dunkel, Schwarzbier und (Doppel-)Bock bis zum Baltic Porter. Auch das bayerische Landesamt LGL nennt unter den untergärigen Bieren unter anderem Hell, Dunkel, Kellerbier, Pils, Export, Märzen und Doppelbock.

Sogar Pils ist nicht eine einzige Sache. Ein tschechisches Pils ist malziger, voller und weicher bitter als ein trockenes deutsches Pils. Und in Tschechien heißen nur Pilsner Urquell und Gambrinus „Pilsner“; das BJCP beschreibt den Stil als eine Gruppe von Bieren „vom Pilsner Typ“ (pivo Plzeňského typu).

Quellen

Mythos

‘Lager ist billiges, geschmackloses Bier.’

Viel Massenbier ist Lager, aber Lager selbst ist eine breite Familie: vom bitteren Pils und malzigen Märzen über Schwarzbier mit Röstnoten bis zum Baltic Porter mit bis zu 9,5 %.

Mythos

‘Lager ist billiges, geschmackloses Bier.’

Das Bild kommt von den großen internationalen Markenbieren. Das BJCP zählt sie zu „International Pale Lager“ und beschreibt sie als stark vergorene helle Lagers ohne ausgeprägte Aromen.

Aber die Familie ist viel breiter. Ein tschechisches Pils hat reiches Malz und 30–45 IBU. Märzen und Wiener Lager drehen sich um reiches, getoastetes Malz. Münchner Dunkel hat Noten von Brotkruste und Schokolade, Schwarzbier sanfte Röstnoten, und Baltic Porter hat bis zu 9,5 % Alkohol, mit dunklem Obst und Lakritz.

Lager ist außerdem kein „einfaches“ Bier. In Bayern arbeitete man jahrhundertelang an kalter Gärung und Lagerkellern, und im München des 19. Jahrhunderts legten Brauer und Wissenschaftler gemeinsam die Grundlagen für das industrielle Brauen von Lagerbier.

Quellen

Mythos

‘Lager wurde 1842 in Pilsen erfunden.’

1842 kam in Pilsen ein Bier heraus, das als erstes helles Lager gilt. Untergäriges, kalt gelagertes Bier gab es in Bayern damals schon seit Jahrhunderten.

Mythos

‘Lager wurde 1842 in Pilsen erfunden.’

Laut „Historisches Lexikon Bayerns“ verbreitete sich die kalte Gärung in Bayern ab dem 16. Jahrhundert, und die Untergärung war damals schon allgemein bekannt. Pilsen baute seine Bürgerbrauerei unter anderem deshalb, weil die Stadt 1839 schon von untergärigem Bier nach bayerischer Art „überschwemmt“ wurde.

Was 1842 in Pilsen neu war, war die Farbe. Mit Malzdarren nach englischem Vorbild, die indirekt beheizt wurden, ließ sich helles Malz leichter herstellen, während bayerische Lagers damals noch ziemlich dunkel waren. Auch dieses „erste helle Lager“ ist nicht ganz sicher: Das BJCP merkt an, dass es möglicherweise schon früher helle Lagers in Böhmen gab.

Wie alt Lager genau ist, steht nicht fest. Wir wissen aber, dass Brauer vor 1883, als Emil Christian Hansen Reinzuchthefe isolierte, immer mit Mischungen aus ober- und untergärigen Hefen, wilden Hefen und Milchsäurebakterien arbeiteten. Untergärung im streng modernen Sinn gab es davor also nicht.

Quellen

Mythos

‘Bier in grünen oder durchsichtigen Flaschen schmeckt durch Wärme „skunky“ (nach Stinktier).’

Dieser Stinktiergeruch kommt vom Licht, nicht von Wärme. Licht baut Bitterstoffe aus dem Hopfen ab; braunes Glas schützt besser als grünes oder klares Glas, und Dosen lassen kein Licht durch.

Mythos

‘Bier in grünen oder durchsichtigen Flaschen schmeckt durch Wärme „skunky“ (nach Stinktier).’

Der „skunky“- oder „lightstruck“-Geruch ist ein bekannter Bierfehler mit chemischer Ursache. Laut Untersuchungen unter anderem der Universität Gent (Huvaere u. a., 2006) kommt er vor allem vom Stoff 3-Methylbut-2-en-1-thiol (MBT), der schon bei wenigen Nanogramm pro Liter stinkt. MBT entsteht, weil Licht die Bitterstoffe aus dem Hopfen (Iso-Alphasäuren) abbaut. Riboflavin (Vitamin B2) im Bier fängt das Licht auf und setzt die Reaktion in Gang; ein Schwefelfragment, unter anderem aus Aminosäuren, vollendet den Stoff. Blaues Licht (350–500 nm) erwies sich als am wirksamsten.

Deshalb kommt es auf die Verpackung an. Laut Brewers Association (BA) schützt braunes Glas etwas, grünes Glas weniger und klares Glas kaum. Ein Patent von Molson aus dem Jahr 1981 bestätigt mit Messungen, dass klares Glas das meiste und braunes Glas das wenigste schädliche Licht durchlässt. Aber auch braune Flaschen gehören laut BA nicht in grelles Licht, und laut einem Leitfaden von CraftBeer.com (ebenfalls von der Brewers Association) kann der Stinktiergeruch dann schon innerhalb weniger Sekunden entstehen. Dosen nennt die BA „Minifässchen“, die Bier vor Licht schützen.

Wärme ist allerdings schlecht für Bier, verursacht aber andere Mängel. Laut Brewers Association neigten Lagers, die bei 25 °C gelagert wurden, zu karamelligen Noten, und bei 30–37 °C zu einem Kartongeschmack (Alterung durch Oxidation). Ein Stinktiergeruch gehört nicht dazu.

Quellen

Woher kommt es?

Untergäriges Bier ist Jahrhunderte älter als Pils. In Bayern war die Untergärung im 16. Jahrhundert schon allgemein bekannt; ein Sommerbrauverbot (seit 1553), die kalte Gärung und spezielle Gär- und Lagerkeller machten das bayerische Bier besser.

Pils kommt aus Pilsen. 1839 baten dort zwölf Bürger um die Erlaubnis für eine eigene Mälzerei und Brauerei, unter anderem weil ihre Stadt von untergärigem Bier nach bayerischer Art „überschwemmt“ wurde. Die neue Bürgerbrauerei, später Pilsner Urquell, brachte 1842 ihr erstes Bier heraus, zugeschrieben dem bayerischen Brauer Josef Groll. Neu war vor allem die Farbe: Mit Malzdarren nach englischem Vorbild ließ sich helles Malz leichter herstellen, während die bayerischen Lagers damals noch ziemlich dunkel waren. Pilsner Urquell gilt deshalb als das erste helle Lager, auch wenn es laut BJCP möglicherweise schon früher helle Lagers in Böhmen gab.

In den Niederlanden waren Amstel und Heineken im 19. Jahrhundert „bayerische“ Neulinge neben den obergärigen Brauereien. Mitte der 1980er-Jahre war laut dem Historiker Roel Mulder mehr als 99 % des in den Niederlanden getrunkenen Biers Lager, vor allem Pils.

So schenkst du es ein

Ein guter Ausgangspunkt: Trink Pils und Helles so frisch wie möglich, denn Malz- und Hopfencharakter verblassen mit der Zeit. Riecht ein Lager nach Stinktier („skunky“), ist das ein Fehler durch falsche Behandlung, kein Merkmal des Stils.

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Begriffe

Untergärung
Gärung mit Lagerhefe bei niedrigeren Temperaturen, bei der die Hefe zu Boden sinkt, wie bei Pils und anderen Lagers.
Obergärung
Gärung mit Hefe, die beim Gären nach oben steigt (Alehefe), meist bei höherer Temperatur als die Untergärung; so werden unter anderem Pale Ale, IPA, Stout, Weizen und belgische Stile wie Witbier, Dubbel und Tripel gemacht.
Lagern
Bier, vor allem untergäriges Bier, nach der Gärung eine Zeit lang kalt reifen lassen, damit Hefe und Eiweiße absinken können und der Geschmack besser wird; das Wort bedeutet „einlagern“.
Hefe
Der Mikroorganismus, der während der Gärung den Zucker aus dem Malz in Alkohol und Kohlensäure umwandelt.
Abgang
Der Geschmack und Duft, die zurückbleiben, nachdem du das Bier geschluckt hast, zum Beispiel eine lang nachklingende Bittere.
Quellen dieser Seite