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Mythen über Bier

Geschichten, die du oft hörst. Was stimmt daran, und was nicht? Mythen zu einem einzelnen Stil findest du auf der Seite dieses Stils.

Mythos

‘Dunkles Bier ist schwerer und stärker als blondes Bier.’

Farbe ist kein Maß für Alkohol: Bier wird dunkel durch geröstetes oder dunkel gedarrtes Malz. Ein schwarzes Irish Stout hat meist weniger Alkohol als ein goldgelbes Tripel.

Mythos

‘Dunkles Bier ist schwerer und stärker als blondes Bier.’

Die Farbe des Biers kommt vor allem aus dem Getreide. Je mehr karamellisiertes, geröstetes oder dunkel gedarrtes Malz der Brauer verwendet, desto dunkler das Bier. CraftBeer.com der Brewers Association sagt ausdrücklich dazu, dass Farbe nicht gleichbedeutend mit Alkoholgehalt oder Mundgefühl ist. Auch ein Qualitätsleitfaden der Brewers Association für den Handel schreibt, dass Farbe manchmal Stärke vermuten lässt, aber oft zu Unrecht.

Die Stilrichtlinien zeigen es schwarz auf weiß. Ein Irish Stout ist schwarz durch dunkel geröstetes Malz oder dunkel geröstete Gerste, hat laut BJCP aber 3,8–5,0 % Alkohol. Ein belgisches Tripel ist tiefgelb bis hell bernsteinfarben und hat 7,5–9,5 %. Die Brewers Association zeichnet dasselbe Bild: Ein trockenes Irish Stout hat 4,1–5,3 % bei einer Farbe von 80+ EBC (schwarz), ein Tripel 7,1–10,1 % bei 8–18 EBC (hell). Schwer muss so ein Stout auch nicht sein: Das BJCP nennt es auffallend geschmeidig, mit einem mittelleichten bis mittelvollen Körper.

Natürlich gibt es auch dunkle Biere, die sehr wohl stark sind, wie Imperial Stout (laut BJCP 8–12 %). Das liegt an der Menge des vergorenen Zuckers, nicht an der Farbe.

Quellen

Teilweise wahr

‘Bier musst du eiskalt trinken.’

Für ein leichtes Pils geht das gut, aber für die meisten Spezialbiere nicht: Kälte dämpft Duft und Geschmack. Je stärker und dunkler das Bier, desto weniger kalt schenkst du es ein.

Teilweise wahr

‘Bier musst du eiskalt trinken.’

Laut der American Homebrewers Association (Teil der Brewers Association) ist das größte Problem zu kalten Biers, dass die Kälte viele Düfte und Geschmäcker überdeckt. Kälte bremst das Freisetzen von Duftstoffen, sodass sie im Bier hängen bleiben. Auch der Qualitätsleitfaden der Brewers Association nennt die Serviertemperatur als Faktor dafür, wie viel Aroma freigesetzt wird.

Der Rat unterscheidet sich je nach Stil. Die AHA gibt eine Tabelle nach Randy Mosher (Tasting Beer). Einige Beispiele, umgerechnet in Grad Celsius: leichte amerikanische Massen-Lagers ca. 1–4 °C, Pils und andere helle Lagers ca. 3–7 °C, Pale Ale und IPA ca. 7–10 °C und starke Lagers ca. 10–13 °C.

Die Faustregeln aus derselben Quelle: Lagers kälter als Ales, starkes Bier wärmer als leichtes Bier, dunkles Bier wärmer als blondes. Und schenke ein paar Grad kälter ein als das Ziel, denn Bier erwärmt sich im Glas.

Das sind Ratschläge, keine Gesetze: Die AHA nennt sie selbst allgemeine Empfehlungen, von denen manche Stile abweichen. Gibt der Brauer eine eigene Serviertemperatur an, geh davon aus. Trinkst du ein gewöhnliches Pils eiskalt, machst du nichts falsch. Der Mythos ist, dass alles Bier so kalt sein muss.

Quellen

Mythos

‘Bier in grünen oder durchsichtigen Flaschen schmeckt durch Wärme „skunky“ (nach Stinktier).’

Dieser Stinktiergeruch kommt vom Licht, nicht von Wärme. Licht baut Bitterstoffe aus dem Hopfen ab; braunes Glas schützt besser als grünes oder klares Glas, und Dosen lassen kein Licht durch.

Mythos

‘Bier in grünen oder durchsichtigen Flaschen schmeckt durch Wärme „skunky“ (nach Stinktier).’

Der „skunky“- oder „lightstruck“-Geruch ist ein bekannter Bierfehler mit chemischer Ursache. Laut Untersuchungen unter anderem der Universität Gent (Huvaere u. a., 2006) kommt er vor allem vom Stoff 3-Methylbut-2-en-1-thiol (MBT), der schon bei wenigen Nanogramm pro Liter stinkt. MBT entsteht, weil Licht die Bitterstoffe aus dem Hopfen (Iso-Alphasäuren) abbaut. Riboflavin (Vitamin B2) im Bier fängt das Licht auf und setzt die Reaktion in Gang; ein Schwefelfragment, unter anderem aus Aminosäuren, vollendet den Stoff. Blaues Licht (350–500 nm) erwies sich als am wirksamsten.

Deshalb kommt es auf die Verpackung an. Laut Brewers Association (BA) schützt braunes Glas etwas, grünes Glas weniger und klares Glas kaum. Ein Patent von Molson aus dem Jahr 1981 bestätigt mit Messungen, dass klares Glas das meiste und braunes Glas das wenigste schädliche Licht durchlässt. Aber auch braune Flaschen gehören laut BA nicht in grelles Licht, und laut einem Leitfaden von CraftBeer.com (ebenfalls von der Brewers Association) kann der Stinktiergeruch dann schon innerhalb weniger Sekunden entstehen. Dosen nennt die BA „Minifässchen“, die Bier vor Licht schützen.

Wärme ist allerdings schlecht für Bier, verursacht aber andere Mängel. Laut Brewers Association neigten Lagers, die bei 25 °C gelagert wurden, zu karamelligen Noten, und bei 30–37 °C zu einem Kartongeschmack (Alterung durch Oxidation). Ein Stinktiergeruch gehört nicht dazu.

Quellen

Mythos

‘Bier, dessen Haltbarkeitsdatum überschritten ist, ist verdorben.’

Auf Bier steht „mindestens haltbar bis“ (MHD): ein Qualitätsdatum, kein Sicherheitsdatum. Hopfiges Bier verliert mit der Zeit Aroma, während manche starken oder sauren Biere mit den Jahren gerade besser werden.

Mythos

‘Bier, dessen Haltbarkeitsdatum überschritten ist, ist verdorben.’

Das Voedingscentrum erklärt, dass das Datum „mindestens haltbar bis“ (MHD) angibt, bis wann ein Produkt garantiert seine richtige Qualität behält. Der Rat: Nutze auch nach diesem Datum deine Sinne, um zu beurteilen, ob etwas noch gut ist. Das ist etwas anderes als das Verbrauchsdatum („zu verbrauchen bis“), das die Sicherheit betrifft. Die europäischen Kennzeichnungsregeln (Verordnung 1169/2011) schreiben die Formel „Mindestens haltbar bis …“ vor, und Getränke mit 10 Volumenprozent Alkohol oder mehr müssen nach denselben Regeln überhaupt kein Haltbarkeitsdatum tragen.

Dass das Datum keine Verderbgrenze ist, heißt nicht, dass sich Bier nicht verändert. Laut Brewers Association beginnt Bier nach dem Abfüllen zu altern: Die Bittere nimmt ab, fruchtige und blumige Aromen können verschwinden, und es kommen Noten von Karton, Honig oder Sherry hinzu. Der überwiegende Teil des Biers ist dafür gedacht, so frisch wie möglich getrunken zu werden. Vom Weizen schreibt das BJCP zum Beispiel, dass man es am besten jung und frisch trinkt.

Gleichzeitig nennt ein Leitfaden von CraftBeer.com (Brewers Association) drei Gruppen, die sich zum Liegenlassen eignen, eine Einteilung von Patrick Dawson, Autor des Buchs Vintage Beer: stark (allgemein ab 8 % Alkohol), sauer und rauchig. Zum Flämischen Oud Bruin, einem säuerlichen braunen Bier (nicht zu verwechseln mit dem süßen niederländischen Oud Bruin), schreibt das BJCP, dass dieser Stil traditionell zum Lagern gedacht ist und Exemplare mit etwas Alter als besser gelten.

Kurz: Nach dem MHD ist Bier meist nicht verdorben, aber anders. Bei hopfigen Bieren oft weniger frisch, bei manchen starken oder sauren Bieren manchmal gerade besser.

Quellen

Mythos

‘Bodensatz oder Hefe unten in der Flasche bedeutet, dass das Bier schlecht ist.’

Bei Bier, das in der Flasche nachvergoren wurde, ist diese Schicht einfach Hefe: So bekommt das Bier seine Kohlensäure. Ob du sie mit einschenkst, hängt vom Stil und von deinem Geschmack ab.

Mythos

‘Bodensatz oder Hefe unten in der Flasche bedeutet, dass das Bier schlecht ist.’

Bei der Flaschengärung kommt beim Abfüllen noch etwas Zucker oder Würze zum Bier. Die Hefe bildet danach in der Flasche die Kohlensäure. Das BJCP nennt die Flaschengärung ein gemeinsames Merkmal der belgischen Klosterbierstile, und laut den HORAL-Regeln müssen Oude Geuze und Oude Kriek in der Flasche nachgären. Dass dann Hefe zu Boden sinkt, ist normal. Ein Leitfaden von CraftBeer.com (Brewers Association) rät sogar, Spezialbier aufrecht zu lagern, damit die Hefe zu Boden sinkt.

Ob du die Schicht mit einschenkst, unterscheidet sich je nach Stil. Beim Weizen darf der Brauer laut BJCP angeben, ob die Hefe aufgeschwenkt werden soll. Australian Sparkling Ale wird laut BJCP meist mit Hefe serviert. Witbier wird laut Brewers Association traditionell trüb serviert. Beim Tripel schreibt die BA dagegen, dass man die Hefe nicht absichtlich aufschwenken soll.

Eine Anmerkung. Eine Infektion mit wilden Hefen oder Bakterien kann laut Brewers Association sehr wohl Trübung und Flocken verursachen und außerdem abweichende Düfte und Geschmäcker, Säure oder eine Flasche, die beim Öffnen überschäumt („gushing“). Aber bei einem Bier, das in der Flasche nachvergoren wurde, ist eine Hefeschicht unten für sich genommen kein Zeichen von Verderb.

Quellen

Mythos

‘Aus der Flasche oder Dose zu trinken schmeckt genauso wie aus einem Glas.’

Was du „schmeckst“, ist zu einem großen Teil Geruch. Aus einem Glas wird das Aroma an deiner Nase freigesetzt; trinkst du aus der Flasche oder Dose, riechst du davon weniger.

Mythos

‘Aus der Flasche oder Dose zu trinken schmeckt genauso wie aus einem Glas.’

Das amerikanische Institut NIDCD (Teil der National Institutes of Health) erklärt, dass Düfte auf zwei Wegen zu deinem Geruchssinn gelangen: über die Nasenlöcher und über eine Verbindung zwischen Rachen und Nase. Beim Kauen werden Düfte auf diesem zweiten Weg freigesetzt. Ohne Geruchssinn schmeckt Essen laut NIDCD fade oder nach fast nichts; Geruch und Geschmack arbeiten eng zusammen.

Der Qualitätsleitfaden der Brewers Association sagt, dass das richtige Glas, die Serviertemperatur und die Menge der Kohlensäure alle bestimmen, wie viel Aroma freigesetzt wird und wie du das Bier wahrnimmst. Die Schaumkrone hält außerdem Duftstoffe fest und verstärkt so das Geschmackserlebnis. Aus einem Glas werden diese Düfte an deiner Nase freigesetzt, und du siehst sofort Farbe, Klarheit und Schaum.

Aus der Flasche zu trinken ist damit nicht verboten. Es bedeutet nur, dass dir bei aromatischen Bieren ein Teil des Erlebnisses entgeht. Die oft genannte Zahl „80 % des Geschmacks ist Geruch“ übernehmen wir bewusst nicht: Dafür fanden wir keine harte Messung.

Quellen

Mythos

‘Die IBU-Zahl sagt genau, wie bitter du ein Bier schmeckst.’

IBU misst im Labor einen Bitterstoff aus dem Hopfen, nicht das, was du schmeckst. Süße und Körper des Malzes können Bittere überdecken, und ein trockenes Bier kann gerade bitterer wirken.

Mythos

‘Die IBU-Zahl sagt genau, wie bitter du ein Bier schmeckst.’

IBU (International Bitterness Units) ist laut CraftBeer.com ein Maß für die Bitterstoffe im Bier, im Labor bestimmt als Milligramm Iso-Alphasäuren (umgewandelte Bitterstoffe aus Hopfen) pro Liter. Die Brewers Association schreibt in ihren Stilrichtlinien, dass diese Zahl einen bestimmten Hopfenstoff misst und nicht durchgängig damit übereinstimmt, wie bitter jemand das Bier empfindet. Dafür nennt sie drei Gründe: Die Empfindlichkeit für Bitteres ist von Person zu Person verschieden (unter anderem durch Veranlagung), andere Zutaten tragen ebenfalls zur Bittere bei, und Hopfenaroma und -geschmack können die wahrgenommene Bittere stark verändern.

Die Richtlinien geben selbst Beispiele. Beim Export-Style Stout schreibt die BA, dass die Bittere im Labor hoch ausfallen kann, die Süße des Malzes das Erlebnis aber dämpft. Umgekehrt sagt das BJCP über Kölsch, dass trockenere Versionen hopfiger oder bitterer wirken können, als der IBU-Wert vermuten lässt. Und beim Hazy IPA wird die Bittere laut BJCP oft vom volleren Körper und dem weichen Abgang überdeckt.

Zur Orientierung: CraftBeer.com nennt 5–10 IBU für leichte Lagers und 50–70 für kräftige, bittere IPAs. Nutze IBU also als grobe Orientierung, nicht als Geschmacksversprechen.

Quellen

Teilweise wahr

‘Das Reinheitsgebot ist eine jahrhundertealte Garantie für reines Bier von guter Qualität.’

Der bayerische Erlass von 1516 beschränkte die Rohstoffe auf Gerste, Hopfen und Wasser, regelte aber ebenso den Bierpreis. Hefe wurde nicht genannt, und der Name „Reinheitsgebot“ stammt erst aus dem 20. Jahrhundert.

Teilweise wahr

‘Das Reinheitsgebot ist eine jahrhundertealte Garantie für reines Bier von guter Qualität.’

Die Regel stand in der bayerischen Landesordnung (einer allgemeinen Landesverordnung) der Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X., datiert auf April 1516. Das Historisches Lexikon Bayerns nennt den 24. April; der Bierautor Jeff Alworth nennt den 23. April. In Bier durften nur Gerste, Hopfen und Wasser, aber dieselbe Bestimmung begann mit Höchstpreisen für Bier. Hefe wird nicht genannt.

Als Motive für solche Reinheitsregeln nennt das Lexikon Qualitätssicherung und Verbraucherschutz, aber auch Nahrungsmittelversorgung, Preiskontrolle und Steuereinnahmen. Alworth betont, dass es bei dem Erlass viel mehr um Geld ging als um Gesundheit und dass die Vorgabe von Gerste den Weizen für die Bäcker freihielt. Weizenbier war dadurch grundsätzlich verboten; laut dem Lexikon durfte es nur mit herzoglichem Privileg dennoch gebraut werden.

Auch der Name ist jünger als die Regel. „Reinheitsgebot“ ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts: Das Lexikon nennt 1909, ein Artikel der Ohio State University 1918 und Alworth 1919. Davor sprach man von einem „Surrogatverbot“, einem Verbot von Ersatzrohstoffen. Für das ganze Deutsche Reich wurde die Regel laut dem Lexikon erst 1906 festgelegt, im Biersteuergesetz und nur für untergäriges Bier; auch Alworth nennt 1906. 1987 entschied der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften, dass Deutschland Bier, das in einem anderen Mitgliedstaat rechtmäßig hergestellt und verkauft wurde, nicht abweisen durfte, weil es diesen Regeln nicht entsprach.

Fazit: Es ist eine Regel über zulässige Rohstoffe und ursprünglich auch über Preise. Kein Gütesiegel, das etwas über Geschmack oder Handwerkskunst sagt.

Quellen

Teilweise wahr

‘Craftbier bedeutet: Bier von einer kleinen Brauerei.’

Es gibt keine eindeutige Definition von Craftbier. Die bekannteste, die der amerikanischen Brewers Association, betrifft den Brauer und nicht das Bier, und dort ist „klein“ bis zu gut 7 Millionen Hektoliter pro Jahr.

Teilweise wahr

‘Craftbier bedeutet: Bier von einer kleinen Brauerei.’

Die amerikanische Brewers Association (BA) nennt einen „craft brewer“ klein und unabhängig. Klein bedeutet: höchstens 6 Millionen Barrels pro Jahr. Ein amerikanisches Barrel sind 31 Gallonen, umgerechnet sind das also gut 7 Millionen Hektoliter. Unabhängig bedeutet: zu weniger als 25 % im Besitz eines Getränkeunternehmens, das selbst kein Craft-Brauer ist. Außerdem muss er eine amerikanische Braulizenz haben oder, als Eigentümer einer Biermarke, diese Marke in den Vereinigten Staaten brauen lassen.

Beachte: Die BA definiert damit den Brauer, nicht „Craftbier“ als Produkt. Und es ist die Definition eines Branchenverbands für den amerikanischen Markt, kein Gesetz.

Ein wissenschaftlicher Übersichtsartikel (Morgan, Lane & Styles, Food Reviews International, 2022) stellt fest, dass es Bedarf an einer Klärung gibt, was Craftbier ist, und vergleicht die Definitionen verschiedener nationaler Branchenverbände. Er weist auch darauf hin, dass viele kleine, unabhängige Brauereien von großen Brauern übernommen wurden.

Kleinheit und Unabhängigkeit sind also oft Teil einer Definition. Aber das Wort „Craft“ auf einem Etikett garantiert für sich genommen nichts über die Größe oder den Eigentümer der Brauerei.

Quellen

Mythos

‘Eine Schaumkrone ist Verschwendung; ein gutes Glas ist bis zum Rand voll Bier.’

Schaum hält Duftstoffe fest und verstärkt so das Geschmackserlebnis. Eine Krone gehört dazu.

Mythos

‘Eine Schaumkrone ist Verschwendung; ein gutes Glas ist bis zum Rand voll Bier.’

Laut dem Qualitätsleitfaden der Brewers Association erwarten die meisten Trinker eine schöne, kräftige Schaumkrone, die lange stehen bleibt und am Glas haften bleibt. Wichtiger: Schaum verhindert, dass Duftstoffe schnell entweichen, und verstärkt damit das gesamte Geschmackserlebnis.

Richtiges Einschenken und saubere, geeignete Gläser helfen laut demselben Leitfaden, die richtige Krone zu bekommen. Schmutzige oder schlecht gespülte Gläser können den Schaum gerade zerstören. Das BJCP nennt das bleibende Spitzenmuster, das Schaum am Glas hinterlässt („Belgian lace“), in Belgien ein geschätztes Qualitätszeichen.

Wie dick die Krone sein soll, unterscheidet sich je nach Stil und Land. Dafür geben wir kein festes Maß an, weil wir dafür keine eindeutige Quelle fanden.

Quellen

Mythos

‘Bier auf Wein, das lass sein; Wein auf Bier, das rat' ich dir: Die Reihenfolge bestimmt deinen Kater.’

In einer kontrollierten Studie mit 90 Probanden machte die Reihenfolge für den Kater keinen Unterschied. Laut den Forschern führt zu viel zu trinken, von welchem Getränk auch immer, wahrscheinlich zu einem Kater.

Mythos

‘Bier auf Wein, das lass sein; Wein auf Bier, das rat' ich dir: Die Reihenfolge bestimmt deinen Kater.’

Forscher der Universität Witten/Herdecke und der Universität Cambridge testeten das Sprichwort in einer randomisierten Cross-over-Studie (Köchling u. a., American Journal of Clinical Nutrition, 2019). Neunzig Freiwillige von 19 bis 40 Jahren tranken zuerst Pils und danach Weißwein oder umgekehrt. Eine Kontrollgruppe trank nur Bier oder nur Wein. Eine Woche später wechselten sie.

Keine der Gruppen hatte durch die Reihenfolge einen signifikant anderen Katerwert. Was mit einem schwereren Kater zusammenhing: Erbrechen und das Gefühl, betrunken zu sein. Der Erstautor fasste es zusammen: Zu viel zu trinken, von welchem Getränk auch immer, führt wahrscheinlich zu einem Kater.

Eine Anmerkung: Es handelt sich um eine einzelne Studie, mit Erwachsenen von 19 bis 40 Jahren, in einem Versuchsaufbau, in dem reichlich getrunken wurde.

Quellen

Mythos

‘Trappist ist ein Bierstil.’

Trappist sagt, wo und von wem das Bier gemacht wurde, nicht, wie es schmeckt. Trappistenbrauereien machen alle möglichen Stile.

Mythos

‘Trappist ist ein Bierstil.’

Die International Trappist Association (ITA) schreibt, dass der Name Trappist in erster Linie eine Herkunftsbezeichnung ist. Für das Logo „Authentic Trappist Product“ gelten drei Bedingungen. Das Produkt wird in unmittelbarer Umgebung der Abtei hergestellt. Die Produktion geschieht unter Aufsicht der Mönche oder Nonnen. Und der Gewinn ist für die eigene Klostergemeinschaft, für die Solidarität innerhalb des Trappistenordens oder für Entwicklungsprojekte und gute Zwecke bestimmt.

Jedes Trappistenbier hat laut ITA ein eigenes Rezept und eine eigene Hefe. Auch das BJCP schreibt über die belgischen Klosterbiere, dass viele dieser Namen geschützte Bezeichnungen sind, die etwas über die Herkunft des Biers aussagen und nicht über einen Stil. Klöster können jeden Stil brauen, den sie wollen.

Wörter wie Dubbel, Tripel und Quadrupel sind dagegen Stilnamen. „Trappist“ ist ein Herkunftslabel: Es sagt, wo und unter wessen Aufsicht ein Bier gemacht wurde, nicht, wie es schmeckt.

Quellen

Mythos

‘Bier aus der Dose ist schlechter als Bier aus der Flasche und schmeckt nach Metall.’

Eine Dose lässt kein Licht durch und hat innen eine Schutzschicht. Für die Lagerung von Bier ist das eher ein Vorteil.

Mythos

‘Bier aus der Dose ist schlechter als Bier aus der Flasche und schmeckt nach Metall.’

Der Qualitätsleitfaden der Brewers Association nennt Dosen „Minifässchen“, die Bier vor Licht schützen. Und Licht ist gerade die Ursache des Stinktiergeruchs bei Bier aus grünen und klaren Flaschen (siehe den Mythos über „skunky“ Bier).

Laut dem Biergeschichtler Travis Rupp (University of Colorado Boulder) haben moderne Dosen innen eine Schutzschicht, sodass kein Metallgeschmack ins Bier gelangt. Außerdem lassen sie laut ihm kein Sonnenlicht und keinen Sauerstoff hinein. Bei den frühen Stahl- und Aluminiumdosen kann das laut Rupp anders gewesen sein.

Wer direkt aus der Dose trinkt, riecht allerdings weniger vom Aroma (siehe den Mythos über das Trinken aus der Flasche). Zu Geschmacksunterschieden in Blindverkostungen fanden wir keine gute Quelle, deshalb sagen wir dazu nichts.

Quellen

Begriffe

Abteibier
Bier mit dem Namen oder der Ausstrahlung einer Abtei, das von einer gewöhnlichen Brauerei gemacht wird, manchmal unter Lizenz einer Abtei und manchmal ohne jede Verbindung zu einem Kloster, und das die Trappistenregeln nicht erfüllen muss.
Adjunct
Eine ungemälzte Getreidesorte (wie Mais, Reis oder ungemälzter Weizen) oder ein anderer vergärbarer Rohstoff (wie Zucker), den ein Brauer neben Malz verwendet, was ein Bier leichter im Körper machen kann.
Abgang
Der Geschmack und Duft, die zurückbleiben, nachdem du das Bier geschluckt hast, zum Beispiel eine lang nachklingende Bittere.
Alkoholgehalt (% vol.)
Wie viel Alkohol im Bier steckt, gemessen im Volumen (6 % vol. sind 6 ml Alkohol pro 100 ml Bier); nach den EU-Regeln darf die Zahl auf dem Etikett bei Bier bis einschließlich 5,5 % vol. um 0,5 % vol. nach oben oder unten abweichen, bei stärkerem Bier um 1 % vol.
Barrel Aged (Fassreifung)
Bier, das eine Zeit lang auf Holzfässern (oder mit Holz darin) gereift ist, manchmal in Fässern, in denen vorher Bourbon oder ein anderes Getränk war, was Noten von Holz, Vanille, Karamell oder Toast geben kann.
Blend / Verschnitt
Das Mischen von Bieren unterschiedlichen Alters oder aus verschiedenen Fässern zu einem Endprodukt, wie bei Gueuze, in der junger und alter Lambic zusammenkommen.
Obergärung
Gärung mit Hefe, die beim Gären nach oben steigt (Alehefe), meist bei höherer Temperatur als die Untergärung; so werden unter anderem Pale Ale, IPA, Stout, Weizen und belgische Stile wie Witbier, Dubbel und Tripel gemacht.
Brettanomyces („Brett“)
Eine wilde Hefeart, die fruchtige, aber auch „funky“ Noten geben kann, wie Leder, Stall oder Pferdedecke, und die unter anderem im Lambic und in vielen auf Holz gereiften Bieren erwünscht ist.
Cask / Fass
Cask ist Englisch und „fust“ Niederländisch für ein Fass; bei englischem „real ale“ gärt das Bier in dem Cask nach, aus dem es gezapft wird, ohne dass Kohlensäure zugesetzt wird.
Double / Imperial
Bezeichnung für eine stärkere und intensivere Version eines bekannten Stils, wie ein Double IPA (laut BJCP 7,5–10 % Alkohol) oder ein Imperial Stout (8–12 %).
Trocken (hoher Vergärungsgrad)
Ein Bier, das wenig süß wirkt, weil die Hefe den größten Teil des Zuckers umgewandelt hat.
Kalthopfung (Dry Hopping)
Hopfen zugeben, nachdem die Würze gekocht wurde, oft während oder nach der Gärung, für einen frischen, starken Hopfenduft, ohne dass das Bier nennenswert bitterer wird.
EBC und SRM
Zwei Messskalen für die Bierfarbe, die europäische (EBC) und die amerikanische (SRM): Je höher die Zahl, desto dunkler das Bier, und der EBC-Wert ist ungefähr das Doppelte des SRM-Werts (laut Brewers Association ist Bier ab 40 SRM, also etwa 80 EBC, schwarz).
Hefe
Der Mikroorganismus, der während der Gärung den Zucker aus dem Malz in Alkohol und Kohlensäure umwandelt.
Hazy / trüb
Bier, das bewusst trüb ist, wie ein Hazy (New England) IPA, wobei die Quellen sich darin unterscheiden, woher diese Trübung kommt: laut BJCP von Stoffen aus dem Hopfen, die sich mit Eiweißen aus dem Getreide verbinden, und nicht von Hefe, laut Brewers Association unter anderem auch von Hefe und Stärke.
Flaschengärung
Beim Abfüllen kommt noch etwas Zucker oder Würze zum Bier, sodass die Hefe in der Flasche erneut gärt und das Bier auf natürliche Weise seine Kohlensäure bekommt; oft siehst du deshalb eine Hefeschicht unten.
Hopfen
Die kegelförmigen Blüten der weiblichen Hopfenpflanze (Humulus lupulus), die dem Bier Bittere, Duft und Geschmack geben und Bakterien hemmen.
IBU (International Bitterness Units)
Eine Labormessung der Menge an Bitterstoffen aus dem Hopfen im Bier, die nicht immer damit übereinstimmt, wie bitter du es schmeckst.
Kühlschiff
Eine große, flache, offene Wanne, in der die heiße Würze über Nacht abkühlt und dabei Hefen und Bakterien aus der Luft aufnimmt, sodass sie spontan zu gären beginnt, wie beim Lambic.
Lactobacillus („Lacto“)
Ein Milchsäurebakterium, das Zucker in Milchsäure umwandelt: In gewöhnlichem Bier gilt es als Verderber, aber Brauer verwenden es auch bewusst für Sauerbier, wie Berliner Weisse.
Laktose
Milchzucker, den Brauer für bleibende Süße zugeben, bekannt vom Milk Stout, und der in der EU-Allergenliste unter „Milch“ fällt.
Lagern
Bier, vor allem untergäriges Bier, nach der Gärung eine Zeit lang kalt reifen lassen, damit Hefe und Eiweiße absinken können und der Geschmack besser wird; das Wort bedeutet „einlagern“.
Mundgefühl / Körper
Wie sich ein Bier im Mund anfühlt: wie voll oder dünn es ist (der Körper), wie viel Kohlensäure es hat und ob es zum Beispiel cremig oder gerade zusammenziehend ist.
Malz
Getreide, meist Gerste, aber zum Beispiel auch Weizen, das geweicht, gekeimt und getrocknet wurde, damit Zucker für die Hefe verfügbar wird; je stärker das Malz geröstet ist, desto dunkler das Bier.
Nitro
Bier, das mit einem Gemisch aus Stickstoff und Kohlensäure gezapft wird, was ein cremiges Mundgefühl und eine dicke, lange stehende Schaumkrone gibt, bekannt vom Irish Stout.
Untergärung
Gärung mit Lagerhefe bei niedrigeren Temperaturen, bei der die Hefe zu Boden sinkt, wie bei Pils und anderen Lagers.
Session
Ein Bier mit leichterem Körper und weniger Alkohol, von dem du bei einer Gelegenheit mehr als eins trinken könntest; eine harte Grenze gibt es nicht: Das BJCP nennt unter 4 % „Session-Stärke“, lässt aber ein Session IPA bis 5 % zu, genau wie die Brewers Association.
Spontangärung
Gärung, ohne dass der Brauer Hefe zugibt: Die gekochte Würze beginnt beim Abkühlen durch Hefen und Bakterien zu gären, die von Natur aus in der Luft sind, wie beim Lambic.
MHD (mindestens haltbar bis)
Das Datum, bis zu dem ein Produkt garantiert seine Qualität behält; danach ist Bier nicht automatisch verdorben, kann aber weniger frisch schmecken (und Getränke ab 10 % Alkohol müssen nach den EU-Regeln sogar überhaupt kein Datum tragen).
Trappist (Label)
Ein Herkunftslabel und kein Bierstil: Das Logo „Authentic Trappist Product“ darf nur auf Produkte, die in unmittelbarer Umgebung einer Trappistenabtei unter Aufsicht von Mönchen oder Nonnen hergestellt wurden und deren Gewinn für die Klostergemeinschaft, den Trappistenorden oder gute Zwecke bestimmt ist.
Würze
Die süße Zuckerlösung, die aus Malz und Wasser entsteht, danach mit Hopfen gekocht wird und erst durch die Gärung zu Bier wird.