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Bierschule › Hopfen · Hopfensorte

Simcoe

Simcoe ist eine amerikanische Hopfensorte von Yakima Chief Ranches, laut Handel seit 2000 auf dem Markt. Er ist bekannt für einen Duft nach Kiefer, mit Zitrus, Grapefruit und anderen Früchten.

  • LandVereinigte Staaten
  • ZüchterYakima Chief Ranches (Washington); Sortenname YCR 14
  • Eingeführt2000 (laut Yakima Chief Hops); Pflanzenpatent erteilt 2001
  • Abstammungunbekannt; laut Pflanzenpatent entdeckt unter Pflanzen aus einem kontrollierten Zuchtprogramm
  • Typbeides (Aroma und Bitter)
  • Alphasäure12–14 % (Pflanzenpatent und Hop Growers of America); Yakima Chief Hops nennt 10–16 %, es unterscheidet sich je nach Ernte

Was ist das?

Simcoe ist der Markenname (Simcoe®) der Hopfensorte YCR 14, ausgeschrieben „YCR Accession No. 14“, von Yakima Chief Ranches aus dem Bundesstaat Washington. Laut Pflanzenpatent sind die Eltern unbekannt. Die Pflanze wurde unter Pflanzen aus einem kontrollierten Zuchtprogramm in einer Forschungsgärtnerei in Prosser entdeckt. Als Erfinder steht Charles E. Zimmermann im Patent, das 1999 beantragt und 2001 erteilt wurde.

Laut Patent wird Simcoe zum Bittern und für das Aroma verwendet, mit 12–14 % Alphasäure. Simcoe ist außerdem die Mutter eines anderen bekannten Hopfens: Mosaic.

Aroma und Geschmack

Unabhängige Forschung. Japanische Forscher der Brauerei Asahi rochen in Bier mit manchen amerikanischen Hopfensorten ein „extrem starkes“ fruchtiges Aroma nach schwarzer Johannisbeere. Sie vermuteten, dass das Thiol 4MMP die wichtigste Quelle dafür war. Von den Sorten, die sie maßen, enthielt Simcoe am meisten 4MMP, vor Summit, Apollo, Topaz und Cascade. In europäischen Sorten fanden sie den Stoff nicht. Eine deutsche Untersuchung bestätigte, dass Simcoe, ebenso wie Citra, Eureka und Apollo, viel 4MMP enthält (dort 4MSP genannt, ein anderer Name für denselben Stoff), während traditioneller deutscher und englischer Hopfen ihn nicht hatte. Der Gehalt hing aber stark vom Erntejahr und von der Lagerung ab. Laut einem Übersichtsartikel riecht 4MMP nach schwarzer Johannisbeere und Passionsfrucht.

Was Züchter, Handel und Fachliteratur sagen. Das Patent von 1999 beschreibt den Duft als „sharp, floral with spicy notes“: scharf, blumig und würzig. Die Hop Growers of America sprachen 2016 von einem einzigartigen Kiefernduft, und der Brauautor John Palmer von einem Duft nach frisch geschlagenen Kiefern. Yakima Chief Hops nennt erdige und Kiefernnoten, mit Zitrus, Grapefruit und Holz.

Verwendung und ähnliche Hopfen

Yakima Chief Hops nennt Simcoe als Dual-Purpose-Hopfen geeignet und schreibt, dass er im gesamten Brauprozess eingesetzt wird: Er glänzt in hopfigen IPAs, gibt aber auch dunklen Bieren wie Stout und Porter zusätzliche Tiefe. Du findest ihn als ganze Dolden, Pellets, Cryo-Hopfen und CO2-Extrakt. Laut Patent gingen nach sechs Monaten gewöhnlicher Lagerung 25–30 % der Alphasäuren verloren.

Auch bei Simcoe zählt der Erntezeitpunkt: In amerikanischer Forschung an fünf Sorten hatte der Reifegrad vor allem bei Sabro, Mosaic, Simcoe und Citra viel Einfluss.

Vergleichbarer Hopfen laut Yakima Chief Hops: Citra, Mosaic, Centennial und Warrior.

Mythos oder Fakt?

Teilweise wahr

‘Je mehr Hopfen in einem Bier steckt, desto länger bleibt es gut.’

Hopfen hemmt einen Teil der Bakterien, die Bier verderben, das stimmt. Aber nicht alle Bierverderber, und gerade das Hopfenaroma selbst ist empfindlich: Stark gehopfte Biere trinkst du am besten frisch und lagerst sie kühl.

Teilweise wahr

‘Je mehr Hopfen in einem Bier steckt, desto länger bleibt es gut.’

Ein Körnchen Wahrheit steckt darin. Um 1150 schrieb Hildegard von Bingen bereits, dass Hopfen durch seine Bittere einen Teil des Verderbs aus Getränken fernhält, sodass sie länger gut bleiben. Laut dem Bierhistoriker Martyn Cornell konnte ungehopftes Ale manchmal schon nach ein oder zwei Wochen verderben. Moderne Forschung bestätigt, dass Iso-Alphasäuren aus Hopfen grampositive Bakterien hemmen.

Aber Hopfen schützt nicht vor allem. Manche Stämme von Milchsäurebakterien, wie Lactobacillus brevis, sind hopfenresistent, und auch gramnegative Bakterien wie Pectinatus und Megasphaera können Bier verderben.

Wichtiger für den Liebhaber: Was Hopfen an Aroma und Geschmack gibt, ist gerade empfindlich. Laut einem Übersichtsartikel von 2023 ist die Aromastabilität von kaltgehopftem Bier gering. In einem Lagerversuch sanken zwei Gruppen von Hopfenbitterstoffen (Humulinone und Alphasäuren) in den ersten drei Monaten bei 20 °C deutlich, und kaum bei 3 °C. Laut den Autoren lagerst du kaltgehopftes Bier deshalb am besten kühl, bei etwa 4 °C. Eine Studie mit elf in Deutschland gebrauten hopfigen Ales relativiert das allerdings: Manche Hopfenaromastoffe, etwa Linalool und Geraniol, blieben beim Lagern ziemlich stabil, aber in manchen Ales hing das Hopfenaroma von weniger stabilen Estern ab. Und Licht kann Iso-Alphasäuren abbauen, was zu einem Stinktiergeruch beiträgt.

Kurz: Hopfen hilft gegen einen Teil des Verderbs, aber ein stark gehopftes Bier ist kein Bier zum Lagern.

Quellen

Aus der Geschichte

Simcoe stammt aus dem Zuchtprogramm von Yakima Chief Ranches. Dieses Unternehmen wurde laut Züchter Ende der 1980er-Jahre von den Familien Carpenter, Smith und Perrault gegründet, mit einem eigenen Zuchtprogramm. Dieses Programm brachte neben Simcoe auch Ahtanum, Palisade und Warrior hervor. Laut Yakima Chief Hops kam Simcoe im Jahr 2000 auf den Markt. 2003 bündelte Yakima Chief Ranches seine Zuchtarbeit mit der von John I. Haas in der Hop Breeding Company. Diese brachte später Mosaic heraus: eine Kreuzung aus dem Jahr 2001 mit Simcoe als Mutter.

2025 standen in den USA 3.490 Acres Simcoe, etwa 1.410 Hektar: nahezu genauso viel wie Mosaic.

So schmeckst du es

Ein guter Ausgangspunkt: Such dir ein IPA oder West Coast IPA, in dem Simcoe die Hauptrolle spielt. Riech nach Kiefer, dahinter Grapefruit und andere Früchte. Erkennst du auch etwas von schwarzer Johannisbeere, dann kann das 4MMP sein. Probier Simcoe doch einmal neben Mosaic: Dann hast du Mutter und Tochter im Glas. Hopfige Biere trinkst du am besten frisch.

Hier spielt es die Hauptrolle

Ähnlich wie: Mosaic, Citra, Centennial

Weitere Hopfensorten

AmarilloCascadeCentennialChinookCitraColumbus (CTZ)East Kent GoldingsEl DoradoFuggleGalaxyHallertau BlancHallertauer MittelfrühIdaho 7MosaicMotuekaNectaronNelson SauvinRiwakaSaazSabroStrataTettnangerVic Secret

Begriffe

Alphasäuren
Die wichtigsten Bitterstoffe aus dem Hopfen (Humulone); sie lösen sich schlecht und sind kaum bitter, werden aber beim Kochen zu Iso-Alphasäuren, die dagegen bitter schmecken.
Thiole
Schwefelverbindungen, die du schon bei wenigen bis zu einigen Dutzend Nanogramm pro Liter riechst, wie 4MMP (schwarze Johannisbeere, Passionsfrucht) und 3MH (Rhabarber, Grapefruit); sie stammen aus Hopfen und auch aus Malz, oft in gebundener Form, aus der Hefe sie während der Gärung freisetzen kann.
Kalthopfung (Dry Hopping)
Hopfen zugeben, nachdem die Würze gekocht wurde, oft während oder nach der Gärung, vor allem für einen frischen, starken Hopfenduft.
Dual Purpose
Hopfen, der sich sowohl zum Bittern als auch für das Aroma eignet, laut John Palmer mit ziemlich viel Alphasäure und dennoch gutem Duft; Beispiele sind Amarillo, Citra und Mosaic.
Zuchtprogramm
Die langjährige Arbeit, in der ein Züchter Hopfenpflanzen kreuzt, die Sämlinge jahrelang auf dem Feld und im Bier testet und nur die besten als neue Sorte auf den Markt bringt. Nectaron zum Beispiel wurde 2004 gekreuzt und kam erst 2020 auf den Markt.
Cryo-Hopfen
Pellets aus konzentriertem Lupulin: den Harzen und dem Aromaöl des Hopfens, ohne das Pflanzenmaterial der Dolde. Gedacht, um viel Hopfengeschmack und -aroma zu geben, ohne herbe Geschmäcker oder zusätzliches Pflanzenmaterial im Bier. NZ Hops bietet Cryo Hops® seiner Sorten in Zusammenarbeit mit Yakima Chief Hops an.
Pflanzenpatent
Amerikanisches Patent auf eine neue Pflanzensorte, die ungeschlechtlich vermehrt wird, zum Beispiel über Stecklinge. Sabro ist so geschützt (PP29577), und Columbus hatte ein solches Patent (PP10956, inzwischen abgelaufen); daneben verwenden Züchter oft einen Markennamen, etwa Sabro für die Sorte HBC 438.
Quellen dieser Seite